Uncategorized

Erdarbeiten in der Rheinaue – Einzelfallbetrachtungen im Bodenschutz

Taberg Blog post

Introduction

Eingriffe in den Boden bringen in der Praxis häufig deutlich mehr Herausforderungen mit sich, als zunächst angenommen. Betroffen ist dabei nicht nur das unmittelbare Bodenleben, wie die Bodenstruktur mit ihren Poren und Kapillaren sowie die sensiblen Wechselwirkungen verschiedenster Mikroorganismen. Bodeneingriffe können auch den Wasser- und Nährstoffhaushalt nachhaltig beeinflussen.

Bodenschutz ist daher ein komplexes Themenfeld, bei dem zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden müssen, sobald ein Eingriff unumgänglich ist. Undurchdachte Maßnahmen können weitreichende Folgen haben. Ein universell anwendbares Bodenschutzkonzept existiert nicht. Stattdessen ist eine standortspezifische Betrachtung der jeweiligen Gegebenheiten entscheidend.

Besonders deutlich wird dies bei Projekten, in denen mehrere sensible Randbedingungen gleichzeitig auftreten. Ein Beispiel dafür ist der Teilabschnitt zur Rheinquerung des Erdkabelprojektes „Niederrhein/Wesel-Osterath“. Die TABERG Engineers GmbH begleitet mehrere Erdkabelprojekte und unterstützt im Rahmen des SIERA Netzwerks die Amprion GmbH beim Ausbau der Übertragungsnetze.

Warum Bodenschutz hier eine Einzelfallbetrachtung erfordert

Wie standortspezifisch Bodenschutz gedacht werden muss, zeigt sich besonders dann, wenn mehrere sensible Faktoren gleichzeitig zusammenkommen. Genau das ist bei der Rheinquerung der Fall: Hier greifen Bodeneingriffe, Wasserschutz, Vogelschutz und die Nähe zum Wasserwerk unmittelbar ineinander. Standardlösungen reichen unter diesen Bedingungen nicht aus.

Das Projekt Rheinquerung

Die Notwendigkeit eines standortspezifischen Ansatzes zeigt sich besonders deutlich im rund 10 km langen Bauabschnitt einer Erdkabelleitung zwischen Voerde und Eversael. Hier treten mehrere sensible Randbedingungen gleichzeitig auf: die Unterquerung des Rheins mittels HDD-Verfahren, Aspekte des Vogelschutzes in den Rheinauen sowie der Wasserschutz aufgrund der unmittelbaren Nähe eines Wasserwerks. Hinzu kommt der Schutz des wertvollen Grundwassers in tieferen Bodenschichten. Gerade das Zusammenspiel dieser Faktoren macht deutlich, dass der Bodenschutz individuell auf die Bedingungen vor Ort zugeschnitten werden muss.

Warum Wasserschutz auch Bodenschutz erfordert

Eine große Gefahr für Trinkwasser ist der potenzielle Eintrag von Stoffen, insbesondere von Nitrat. Diese Einträge können unterschiedliche Ursachen haben, sind jedoch häufig auf intensive landwirtschaftliche Düngung zurückzuführen.

Stickstoff unterliegt im Boden einem natürlichen Kreislauf: Er kann mobilisiert werden, verschiedene Formen annehmen, Pflanzen als Nährstoff zur Verfügung stehen oder in tiefere Bodenschichten bis ins Grundwasser verdrängt werden. Vor diesem Hintergrund stellte sich im Projekt Rheinquerung die Frage, inwieweit der Ausbau und die Zwischenlagerung von Oberboden die Nitratanreicherung des Grundwassers beeinflussen können.

Denn jede Form von Bodenbewegung kann die Durchlüftung fördern und dadurch die mikrobielle Aktivität steigern, auch die nitrifizierender Bakterien. Das gilt beispielsweise für Bodenaushub, Grubbern, Pflügen oder Eggen. Solche Eingriffe können Nitrifikationsprozesse begünstigen. Auch wenn diese ein natürlicher Bestandteil des Stickstoffkreislaufs sind, ist die Gesamtmenge des im Boden verfügbaren Stickstoffs entscheidend. Zusätzlich spielen standortspezifische Bodeneigenschaften sowie hydrogeologische Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle.

Gerade im Zusammenspiel dieser Faktoren wird deutlich, warum Wasserschutz in solchen Projekten ohne standortspezifischen Bodenschutz nicht auskommt.

Maßnahmen

Da ein Eingriff in den Boden immer auch einen potenziellen Eingriff in diesen sensiblen Kreislauf bedeutet, sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um eine erhöhte Nitratauswaschung zu vermeiden.

Zu den Maßnahmen gehören:

• Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzung

• Keine Düngung unmittelbar vor dem Bodeneingriff

• Keine Bodenbearbeitung unmittelbar vor dem Bodeneingriff

• Aktive Begrünung des Baufelds

• Reduzierung des Oberbodenabtrags auf ein Minimum

• Belassen des Oberbodens auf Baustraßen oder Arbeitsflächen, falls erforderlich und durch lastverteilende Maßnahmen geschützt

• Beschleunigter Bauablauf in kritischen Abschnitten

• Aktive Begrünung mit stickstoffzehrenden Saatgutmischungen, wenn eine längere Lagerung des Oberbodens nicht vermeidbar ist

Rolle bei der Bewertung von Maßnahmen

TABERG Engineers GmbH unterstützt in diesem Zusammenhang regelmäßig die Bewertung und Ausarbeitung von Maßnahmen, die mit Unterstützung des SIERA Netzwerks konkret auf den jeweiligen Einzelfall und seine standortbezogenen Randbedingungen zugeschnitten sind.

Dies verdeutlicht, dass Bodenschutz nicht auf Standardlösungen basiert, sondern auf einer sorgfältigen Betrachtung der tatsächlichen Gegebenheiten.

Conclusion

Eine klare Erkenntnis aus der Rheinquerung ist, dass Bodenschutz immer in direktem Zusammenhang mit den konkreten örtlichen Bedingungen betrachtet werden muss. Dort, wo Bodeneingriffe, Wasserschutz und Vogelschutz zusammenkommen, wird die standortspezifische Betrachtung unverzichtbar.

Durch die Berücksichtigung von Stickstoffkreisläufen, möglichen Nitrateinträgen, hydrogeologischen Rahmenbedingungen und geeigneten Maßnahmen können Bodeneingriffe gezielter und verantwortungsvoller umgesetzt werden.

👉Erfahrt hier, wie TABERG Engineers GmbH in the SIERA Netzwerk zur Bewertung und Ausarbeitung passgenauer Maßnahmen beiträgt, wenn Bodenschutz, Wasserschutz und projektspezifische Randbedingungen zusammenkommen.

Engineering for a Better Tomorrow